Was ist ein Bioreaktor? Aufbau, Komponenten und Regelkreis einfach erklärt

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Ein Bioreaktor ist ein Behälter, in dem lebende Zellen oder Mikroorganismen unter präzise kontrollierten Bedingungen wachsen und ein gewünschtes Produkt bilden. Er unterscheidet sich von einem einfachen Kulturgefäss dadurch, dass Temperatur, pH-Wert, Sauerstoffgehalt und Durchmischung nicht nur gemessen, sondern aktiv geregelt werden.

Bioreaktortypen und deren Unterschiede

Der Begriff Bioreaktor umfasst mehrere Bauformen. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie sie durchmischen und wie sie Sauerstoff in die Flüssigkeit eintragen. Im Wave-Reaktor erzeugt eine wippende Plattform die Bewegung — sehr schonend, aber mit begrenztem Sauerstoffeintrag. In Blasensäulen und Airlift-Reaktoren übernehmen aufsteigende Gasblasen beide Aufgaben zugleich. Festbett- und Hohlfasersysteme wiederum eignen sich für adhärente Zellen bei hoher Zelldichte.

Der Rührreaktor ist der häufigste Reaktortyp und Gegenstand dieses Artikels. Er erlaubt als einziger Typ, Durchmischung, Begasung, Temperatur und pH-Wert unabhängig voneinander zu regeln und lässt sich bis zu mehreren Tausenkubiklitern hochzuskaliere. Damit lässt sich das Prinzip des Regelkreises daran am klarsten zeigen. Die zugrunde liegende Logik — messen, vergleichen, eingreifen — gilt aber für alle Bauformen.

Applikon Autoclavable Glass Bioreactor
Kultivierungsbedingungen

Was die Kultur wirklich braucht

Damit Zellen zuverlässig und reproduzierbar wachsen, müssen folgende Bedingungen vorhanden sein.

Livit Flex

Aufbau: die Komponenten eines Bioreaktorsystems

Ein Bioreaktorsystem besteht immer aus zwei Teilen — dem Reaktorgefäss und der Steuereinheit.

Das Reaktorgefäss

Das Reaktorgefäss kann aus Glas, Edelstahl oder Kunststoff (Single-Use) bestehen. Je nach Typ besteht es aus unterschiedlichen Komponenten. Hier eine Übersicht der häufigsten Komponenten.

  1. Gefäss und Kopfplatte: autoklavierbarer Glasbioreaktor, Edelstahl oder ein Single-Use. Die Kopfplatte trägt sämtliche Anschlüsse für Sonden, Zugabeleitungen und Begasung. Teilweise können Zugabe und Entnahme über Seiten oder Bodenverbindungen erfolgen
  2. Rührsystem: magnetisch oder direkt gekoppelt über Lippendichtung, mit Rührerblättern, die auf den Organismus abgestimmt sind — schonend für Säugerzellen, leistungsstark für mikrobielle Fermentationen.
  3. Begasung: ein Sparger führt Luft, Sauerstoff, Stickstoff oder CO₂ in die Flüssigkeit ein.
  4. Temperierung: Einwandig über Heizmanschette & Kühlfinger oder Doppelwandgefäss mit Thermostat. Bei kleinen Bioreaktorsystemen besteht die Möglichkeit der Kühlung und Heizung mittels Peltier Modul.
  5. Sonden: pH, gelöster Sauerstoff (dO₂), Temperatur, bei Bedarf zusätzlich Füllstand, Abluft, Schaum, Druck, Biomasse oder CO₂ und vieles mehr
  6. Abluftkondensator: verhindert Volumenverlust und hält das System geschlossen.
Gefässmaterial

Glas, Edelstahl oder Kunststoff

Das Material des Gefässes bestimmt, wie ein Prozess vorbereitet, sterilisiert und gewechselt wird.

Die Steuereinheit

Der Controller ist das Bindeglied zwischen Messung und Eingriff. Er übernimmt fünf Aufgaben:

  1. Ansteuerung der Aktoren — Pumpen, Ventile, Massendurchflussregler, Rührwerk, Heizung
  2. Prozessregelung über definierte Regelkreise
  3. Aufzeichnung & Darstellung der Prozessdaten als Zahlenwerte und Trendkurven
  4. Alarmierung bei Abweichungen von den Sollwerten
  5. Datenschnittstelle zu SCADA- oder PIMS-Software für Aufzeichnung und erweiterte Regelstrategien

Bei den Systemen von Getinge Applikon reicht das Spektrum vom my-Control für kleine Arbeitsvolumina bis zum Livit Flex, der Mehrfach- und Single-Use-Reaktoren auf einer gemeinsamen Plattform bedient.

Der Regelkreis — das Prinzip dahinter

Jede geregelte Grösse folgt demselben geschlossenen Kreislauf:

  1. Sensor misst Ist-Wert
    im Bioreaktor

  2. Controller vergleicht ihn mit dem hinterlegten Sollwert

  3. Regler wird aktiv und passt den Prozess an

  4. Sonde misst erneut

Praxistipp von Team Resea

Der häufigste Grund für einen instabilen Prozess ist nicht der Bioprozess Controller, sondern ein einzelnes Element im Regelkreis — zum Beispiel ein Sensor. Eine Messkette liefert nur dann brauchbare Werte, wenn sie korrekt kalibriert und gewartet ist: die pH-Sonde vor dem Autoklavieren, die amperometrische dO₂-Sonde nach einer ausreichenden Polarisationszeit von rund sechs Stunden und mit frischem Elektrolyt.

Bevor Sie also PID-Parameter anpassen, lohnt sich immer ein Blick auf die Sensorkalibration, den Zustand der Membran oder die Verkabelung der Sonde. In unseren Serviceeinsätzen lassen sich viele vermeintliche Regelungsprobleme lösen, indem die einzelnen Elemente des Regelkreises systematisch überprüft werden.

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